Die wissenschaftliche Evidenz zu medizinischem Cannabis wächst stetig. Allerdings bleibt die Datenlage für viele Indikationen noch dünn — ein ehrlicher Blick auf den aktuellen Forschungsstand.
Metaanalysen und systematische Reviews
Der bisher umfassendste Review stammt aus dem Jahr 2017 vom National Academies of Sciences (USA). Die Autoren analysierten über 10.000 wissenschaftliche Studien und kamen zu folgenden Schlüssen:
- Starke Evidenz: Chronische Schmerzen bei Erwachsenen
- Moderate Evidenz: Spastik bei MS, Übelkeit/Erbrechen bei Chemotherapie
- Schwache Evidenz: PTBS, Schlafstörungen, Angststörungen
- Unzureichende Evidenz: Depressionen, Psychosen (inkl. Risiko)
Randomisierte Kontrollstudien (RCTs)
RCTs gelten als Goldstandard der klinischen Forschung. Im Cannabis-Bereich sind sie besonders schwierig durchzuführen, da eine echte Verblindung bei psychoaktiven Substanzen methodisch herausfordernd ist.
Studienbeispiel: Neuropathischer Schmerz
Eine doppelblinde, placebokontrollierte Crossover-Studie (Ware et al., 2010) zeigte eine signifikante Schmerzreduktion bei Patienten mit posttraumatischer Neuropathie unter inhalierten Cannabis gegenüber Placebo.
„Wir brauchen mehr hochwertige, standardisierte Studien, um die therapeutischen Möglichkeiten von Cannabis vollständig zu verstehen.” — Dr. Marie-Odile Parat
Sicherheitsprofil
| Nebenwirkung | Häufigkeit | Schweregrad |
|---|---|---|
| Mundtrockenheit | Sehr häufig | Leicht |
| Schwindel | Häufig | Leicht–Mittel |
| Sedierung | Häufig | Mittel |
| Kognitive Einschränkung | Gelegentlich | Mittel |
| Psychose (bei Disposition) | Selten | Schwer |
